Auf dem CI,  Camino Ingles

CI Tag 3, Betanzos – Vilacova

Nach einer angenehmen Nacht gab es heute das erhoffte erweiterte Frühstück mit Käse, Chorizo, Tomaten, Marmelade, etc. Ein schöner Tagesauftakt.

Achim fuhr uns nach Betanzos, wo wir unseren Camino fortsetzten. Wie gestern ging es erstmal tüchtig bergauf, aber weniger steil und anhaltend als gestern.

Heute hatte ich gleich beim Start die Jacke aus gelassen, das Regenzeug ist tief verstaut. Hatte ich schon geschrieben, dass es auch gestern trocken blieb? Und es wird zunehmend wärmer. Am frühen Vormittag ließ ich auch die restlichen Hüllen fallen, naja, ich trennte die langen Hosenbeine ab. 😉

Es war wieder ein sehr angenehmes Wandern. Selbst eine Reiterschar sahen wir heute.

Nach ca. 7 km nervte mich die Dame in meinem Handy, dass ich die Strecke verlassen hätte. Wie ich in einem früheren Betrag schon schrieb, bereite ich die Tagesetappen bereits zu Hause vor, lade sie aufs Handy und „folge“ ihnen, während ich gleichzeitig meine gelaufene Strecke protokolliere. Das Folgen geschieht relativ geräuschlos, ich sehe auf der Karte immer, wo ich bin, bekomme angesagt, wenn ich das Ziel erreiche oder von der Strecke abweiche. Und genau letzteres ist heut (mal wieder) geschehen. Wir sind den gelben Pfeilen gefolgt und prompt vom „rechten Weg“ abgekommen, der, wie ich später im Reiseführer nachlas, seit 2017 neu ausgeschilderte Weg führte für über mehr als 3 km direkt an der Straße lang, während der alte, ca. 500 m längere und leicht bergigere Weg wesentlich ruhiger verlief. Aber auf dem neuen Weg hat man eine Bar, auf dem alten nicht. Da wir nun einmal den neuen Weg eingeschlagen hatten, haben wir diesen Vorteil natürlich auch für ein Estrella genutzt.

Die nächste Pause legten wir ungefähr bei km 12, dem Meson-Museo Xente no Camino ein, wo uns Achim bereits erwartete.

Nach einer etwas längeren Pause ging es dann mit frischen Kräften weiter, immer der Beschilderung nach. Leider hatte ich die Ansagen der Routenabweichung abgeschaltet, so dass wir nicht bemerkten, dass wir bei Leiro schon wieder einer seit 2017 neuen Wegführung des Camino folgten. Diese wich komplett von meiner vorbereiteten Routenplanung ab und führt auch nicht an unserem für heute geplanten Etappenziel entlang. Gemerkt habe ich das kurz vor Beche, als ich bei einem Blick auf die elektronische Karte feststellte, dass wir nicht mehr der ausgearbeiteten Route folgten und dass die Entfernung zum Etappenziel mit jedem Schritt länger wurde, mein Gesicht übrigens ebenfalls. Dass wir das Etappenziel auf dem Camino nie erreichen würden, wenn wir weiter den Pfeilen folgten, wusste ich da noch nicht, ahnte es aber. Also haben wir an dem kleinen See ein kurze Rast gemacht und ich habe mir den kürzesten Weg zu unserem Tagesziel berechnen lassen, welchem wir dann auch umgehend folgten. Großes Erstaunen und Freude machte sich in uns breit, als wir nach einigen Kurven Achims Mietwagen auf uns zukommen sahen. Ich teile meinen aktuellen Standort life per WhatsApp mit Achim, so dass er immer sehen kann, wo wir uns befinden. Dabei sah er natürlich auch, dass wir vom Weg abgekommen waren und eilte herbei, uns „zu retten“. In der Casa Julia A Pequeñita nahmen wir unser Feierabendbier und obwohl wir abgelehnt hatten, mussten wir trotzdem jeder zwei dünne Eierkuchen essen. Lecker! Für die Betreiber dieser Casa und der anderen Einrichtungen am alten Jakobsweg es sicher eine finanzielle Katastrophe, dass (aus welchen Gründen eigentlich?) der Verlauf geändert wurde. Sie waren auch enttäuscht, dass wir nicht bei ihnen übernachten wollten, aber wir mussten ja weiter, ins Rectoral de Cines.

Von Außen macht es eher einen schäbigen Eindruck, innen ist es aber gediegen, nur zu intensiv hinschauen sollte man nicht, in meinem Zimmer war zum Beispiel ein Dielenbrett gebrochen, was mit einem Teppich übertüncht wurde und die Tapete löste sich von den Wänden. Sonst alles auf vornehm getrimmt mit guter Küche und entsprechenden Preisen.

Aber an das Essen von gestern Abend kam es nicht heran. Vielleicht war das Abendbrot gestern nicht so aufwändig und mit Fachkenntnis, dafür aber mit viel Liebe zubereitet und serviert worden. Und das schmeckte man auch, außerdem war der Wohlfühlfaktor für mich in dieser warmen menschlichen Atmosphäre gestern um einiges höher als in der kalten vornehmen Atmosphäre der gehobenen Gastronomie, aber das ist mein Empfinden, andere sehen das sicher ganz anders.

Wir haben vor, morgen die geplante Route zu laufen, unabhängig von der Tatsache, dass wir dann bis kurz vor Hospital de Bruma auf dem alten Weg laufen, der vielleicht nicht mehr ausgeschildert sein wird.

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